{"id":52,"date":"2015-12-19T17:56:06","date_gmt":"2015-12-19T17:56:06","guid":{"rendered":"http:\/\/schulze.geest-verlag.de\/?p=52"},"modified":"2015-12-19T17:56:06","modified_gmt":"2015-12-19T17:56:06","slug":"alwine-neumann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/schulze.geest-verlag.de\/?p=52","title":{"rendered":"Alwine Neumann"},"content":{"rendered":"<div><b><span style=\"font-size: xx-large;\">Rote Alwine trotzte den Nazis<\/span><\/b><\/div>\n<div><b><span style=\"font-size: xx-large;\">\u00dcber die erste Osnabr\u00fccker SPD-Frau in Landtag und Stadtrat<\/span><\/b><\/div>\n<div><\/div>\n<p><b>Man nannte sie die Rote Alwine. Nicht wegen ihrer Haarfarbe, mehr aufgrund ihrer Gesinnung: Denn Alwine Wellmann\u00a0war rot, entschieden sozialistisch und demokratisch. In einer Zeit, in der Quote oder Frauenf\u00f6rderung absolute Fremdworte waren, gelang ihr der Sprung in gleich zwei Volksvertretungen. Von 1924 bis 1933 geh\u00f6rte sie dem\u00a0Preu\u00dfischen Landtag f\u00fcr den Wahlbereich Osnabr\u00fcck-Aurich an. Mehrere Jahre vertrat sie die Osnabr\u00fccker SPD im Stadtrat, dem damaligen B\u00fcrgervorsteherkolleg. <\/b><\/p>\n<p>Das R\u00fcstzeug daf\u00fcr hatte sie gewisserma\u00dfen von der Pike auf gelernt. Schon fr\u00fch engagierte sie sich in der Arbeiterbewegung und in der sozialistischen Frauenszene. In den 20er Jahren wirkte sie einige Jahre in Berlin in der Verlagsbuchhandlung der Parteizeitung &#8222;Vorw\u00e4rts&#8220;.<\/p>\n<p>In den Versammlungen und Parlamenten belie\u00df sie es keineswegs bei stiller Mitarbeit, sondern f\u00fchrte ein mutiges Wort und war \u00fcber Versammlungss\u00e4\u00e4le hinaus eine vielgefragte Rednerin auf Gro\u00dfkundgebungen der SPD. Nicht wenigen M\u00e4nner aus dem rechten Lager, die sich Frauen nur an Heim und Herd vorstellen konnten, war sie ein Ha\u00df- und Feindbild, dem Alwine nat\u00fcrlich immer gern gerecht wurde.<\/p>\n<p>Eine Hoffnungstr\u00e4gerin der Osnabr\u00fccker Sozialdemokratie wurde die Abgeordnete Wellmann vor allem in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Immer, wenn es darum ging, den Rechten die Stirn zu zeigen, stand Alwine in der ersten Reihe.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Insbesondere auf Kundgebungen vor Ort, aber auch als vielbegehrte Rednerin auf \u00fcberregionalen Treffen, traf Alwine Wellmann den richtigen Ton der SPD-Anh\u00e4ngerschaft. Besonders unvergessen blieb vielen ein internationaler Auftritt auf einer antifaschistischen Demonstration deutscher und niederl\u00e4ndischer Sozialdemokraten im holl\u00e4ndischen Enschede am 4 September 1932 vor 13.000 Teilnehmern. Unvergessen blieb auch Alwines letzter \u00f6ffentlicher Auftritt im Osnabr\u00fccker Stadtrat am 12. April 1933. Die Nazis wollten alle Ratsmitglieder dazu zwingen, ein Sieg-Heil zu sprechen. W\u00e4hrend Konservative und Liberale \u2013 die Kommunisten waren bereits illegal \u2013 willig in den &#8222;deutschen Gru\u00df&#8220; einstimmten, meldete Ratsfrau Wellmann sich f\u00fcr die 11-k\u00f6pfige SPD-Fraktion im B\u00fcrgervorsteherkolleg zu Wort: &#8222;Die SPD-Fraktion kann sich nicht an einem <sub>\u00a0<\/sub>&#8218; Siegheil &#8218; auf die Stadt Osnabr\u00fcck, sehr wohl aber an einem &#8218;Hoch&#8216; auf Osnabr\u00fcck beteiligen. Niemand&#8220;, so betonte sie, &#8222;kann von der Sozialdemokratie verlangen, ihre Ehre aufzugeben. Das sollte auch die NSDAP verstehen , die Ehre und Sauberkeit angeblich so hoch sch\u00e4tzt. &#8220; Die SPD-Fraktion gr\u00fc\u00dfte folglich nicht\u00a0&#8211; und dies in einem Friedenssaal, in welchem Nazi-Fahnen von den W\u00e4nden hingen und zahlreiche schl\u00e4gereierprobte SA-M\u00e4nner mit hasserf\u00fcllter Mine ein solches Treiben beobachteten. Es war Alwine Wellmanns letzter Beitrag im Stadtrat jener Zeit. Die Ratssitzung 13. Mai fand bereits ohne die SPD-Ratsmitglieder statt, deren Mandate \u2013 angeblich \u2013 freiwillig niedergelegt, in Wahrheit l\u00e4ngst illegal waren.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Dass &#8222;die rote Alwine&#8220; nicht ohne Gefahr f\u00fcr Leib und Leben im Lande bleiben konnte, verstand sich von selbst. Ihre Flucht im Mai 1933\u00a0trieb sie schlie\u00dflich nach Bulgarien, wo ihre eine Scheinheirat den Aufenthalt und indirekt auch das Leben rettete.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>1948 kehrte die Sozialdemokratin nach Osnabr\u00fcck zur\u00fcck und beteiligte sich am Wiederaufbau von Partei und Arbeiterwohlfahrt. Entschieden focht sie f\u00fcr eine demokratische Planwirtschaft, um die Versorgungsengp\u00e4sse zu l\u00f6sen. Die eigene Vergangenheit lie\u00df Alwine Wellmann auch beruflich nicht los: Von 1950 bis 1956 war sie Dezernentin f\u00fcr politisch Verfolgte im Wiedergutmachungsdezernat bei der Osnabr\u00fccker Regierung. Sie starb 1966 im Alter von 75 Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rote Alwine trotzte den Nazis \u00dcber die erste Osnabr\u00fccker SPD-Frau in Landtag und Stadtrat Man nannte sie die Rote Alwine. 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