{"id":54,"date":"2015-12-19T17:56:55","date_gmt":"2015-12-19T17:56:55","guid":{"rendered":"http:\/\/schulze.geest-verlag.de\/?p=54"},"modified":"2015-12-19T17:56:55","modified_gmt":"2015-12-19T17:56:55","slug":"erste-jahre-im-hdj","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/schulze.geest-verlag.de\/?p=54","title":{"rendered":"Erste Jahre im HdJ"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><br \/>\nDas Haus betrat ich zwar schon in seltenen F\u00e4llen als filmbegeisterter Gucker der Jungen Filmgemeinde, eine 2. Heimat wurden mir gewisse R\u00e4umlichkeiten aber erst seit 1973. Die unten gestammelten S\u00e4tze hatte ich zum Teil einmal f\u00fcr eine Art politisches Tagebuch (aber ganz f\u00fcr mich pers\u00f6nlich) geschrieben. In leicht \u00fcberarbeiteten Ausz\u00fcgen folgen diese Zeilen jetzt.<\/p>\n<h2><strong>1973<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Am Anfang war das Plenum<\/strong><br \/>\nAn einem k\u00fchl-ungem\u00fctlichen Januar-Abend 1973 kam ich &#8211; langhaariger, etwas \u00fcbergewichtiger Ratsgymnasiast, samt langem 50er-Jahre-Ledermantel etwas zu sp\u00e4t, weil ich zu lange suchend im Haus der Jugend herumgeirrt war. \u00dcber Nachfragen stie\u00df ich versp\u00e4tet \u00fcber den Hof in die alte Jugendherberge.\u00a0 Zielpunkt war eine alte kleine Holzt\u00fcr halblinks, hinter der sich der \u201eClub junger Erwachsener\u201c verbarg. Die sp\u00e4te Ankunft im \u00fcberf\u00fcllten und absolut verr\u00e4ucherten Raum in der alten Jugendherberge war allerdings keine Entschuldigung daf\u00fcr, dass ich kaum ein Wort von dem verstand, was Juso-Chef Hermann Roling von sich gab. Noch komplizierter wurde es gar, als &#8222;Alt-Juso&#8220; Dieter Schmidt aus dem Universit\u00e4ts-Gr\u00fcndungsausschu\u00df berichtet. In bleibender Erinnerung bleibt Dieters Antwort auf einen Genossen, der sein Unverst\u00e4ndnis des Vortrags kundtat: &#8222;Du bist ja auch ein Langhaariger&#8220;, hie\u00df es ironisch, was offenkundig nicht von allen so verstanden wurde. Am Ende des Abends &#8211; das wohl einzige, was ich halbwegs verstand &#8211; wurden &#8222;Juso-AGs&#8220; gegr\u00fcndet, was ich nach innerer Selbstbefragung erfolgreich als K\u00fcrzel f\u00fcr Arbeitsgemeinschaften deutete. Ich meldete mich f\u00fcr die AG &#8222;SPD-Langzeitprogramm&#8220;, jenem Vorl\u00e4uferpapier des Orientierungsrahmens 1985. Bei der Nennung der AG-Best\u00fcckung wurde von Roling neben allen auch mein Name verlesen, was ich irritiert, sch\u00fcchtern, doch auch stolz zur Kenntnis nahm.<\/p>\n<p>Am <strong>20. Februar<\/strong> fand eine Veranstaltung des Aktionskomitees gegen einen sogenannten Wehrkundeerlass des nieders\u00e4chsischen Kultusministers Peter von Oertzen statt. Ort: Gro\u00dfer Saal im Haus der Jugend. Den &#8222;Wehrkundeerlass&#8220; empfinden wir als schlimm, da wir bef\u00fcrchten, dass von nun an irgendwelche Jugendoffiziere in unseren Schulklassen f\u00fcr die Bundeswehr trommeln. Erlebte Kasernenbesuche sind zumindest bei mir in schlechter Erinnerung. Diskussionen in unserem Sch\u00fclerrat &#8211; initiiert von unseren KOB-Sch\u00fclersprechern &#8211; best\u00e4rken uns in der festen \u00dcberzeugung, dass Kumi Peter von Oertzen ein b\u00f6ser Bunkel sein muss. Jetzt im Haus der Jugend erlebe ich erstmals die Szenerie des gesamten Osnabr\u00fccker &#8222;linken Sumpfes&#8220;. Vor allem KBW und DKP &#8211; erkennbar jeweils an eigenen Vietcong-Solidarit\u00e4tsaufklebern &#8211; pr\u00fcgeln sich verbal so, dass sich die W\u00e4nde biegen. Einen gro\u00dfen Auftritt hat unter anderem Wolfgang Albers von der DKP. Erst langsam erlerne ich die innerlinken Unterschiede &#8211; nicht nur ich, denn noch wenige Jahre zuvor waren alle Opponenten noch im Roten Osnabr\u00fccker Zentrum (ROZ) vereint gewesen.<br \/>\nGenosse Uwe macht mich nach der Albers-Rede darauf aufmerksam, dass die DKP recht h\u00e4tte, was ich kopfnickend zur Kenntnis nehme, aber nicht verstehe. Juso-Chef Hermann Roling sitzt im \u00fcbrigen pfeiferauchend l\u00e4chelnd in einer hinteren Reihe &#8211; obwohl auch die Jusos angesprochen sind, etwas beizutragen.<\/p>\n<p>Irgendwann folgt noch eine samst\u00e4gliche Demonstration au\u00dferhalb des HdJ, auf der wir Juso-Sch\u00fcler nat\u00fcrlich dabei sind. Wir marschieren Seite an Seite mit Kommunisten und bekommen erstmals von meinem ehemaligen Klassenlehrer und SPD-Ratsherrn Lothar Pottebaum in Aussicht gestellt, aufgrund solcher Aktionen aus der Partei geschmissen werden zu k\u00f6nnen. Sachlich, freundlich, aber verbindlich. Doch so etwas h\u00e4lt uns jetzt und sp\u00e4ter nicht davon ab, daf\u00fcr einzustehen, was wir f\u00fcr richtig empfinden.<br \/>\nAuf der besagten &#8211; f\u00fcr mich ersten &#8211; echten Demo passiert es mir allerdings, dass ich die Einheit mit Kommunisten ein wenig \u00fcbertreibe. Ich verteile gutwillig den Aufruf der von uns mitgetragenen Aktionseinheit gegen den Wehrkundeerlass innerhalb der Volksmassen &#8211; und bemerke erst ein wenig sp\u00e4t, dass auf der R\u00fcckseite Reklame f\u00fcr die &#8222;Kommunistische Volkszeitung &#8222;(KVZ) des KBW gemacht wird. Nahezu euphorisch verteile ich anschlie\u00dfend die zwar nicht so sch\u00f6nen, aber wenigstens eigenen, im Wachsmatritzenverfahren bei Willi R\u00fcckin gedruckten Juso-Flugbl\u00e4tter.<br \/>\n<strong><br \/>\nFreitag, 23. Februar<\/strong><br \/>\nAnl\u00e4sslich des Juso-Plenums \u2013 ab jetzt immer im Haus der Jugend, im Sprachgebrauch setzt sich allm\u00e4hlich Juso-Raum durch &#8211; entwickelt sich allm\u00e4hlich ein kleines &#8222;Dazugeh\u00f6r-Gef\u00fchl&#8220;. Es wird aus den Arbeitsgruppen berichtet. Auch die meinige, an der ich zuvor sch\u00fcchtern-passiv teilgenommen hatte, berichtet und pr\u00fcgelt furchtbar auf dem &#8222;LZP&#8220; (=Langzeitprogramm-Entwurf) einer von Helmut-Schmidt gef\u00fchrten Kommission herum. Ich bin anfangs &#8211; wie noch einige Male der Anfangszeit &#8211; etwas irritiert \u00fcber die sehr barsche Parteikritik, doch irgendwie kompensiere ich mein Unverst\u00e4ndnis mit stiller Zustimmung, die langsam und stetig zu einer etwas lauteren und kompetenteren anw\u00e4chst.<br \/>\n<strong><br \/>\nMittwoch, 28. Februar<\/strong><br \/>\nEs ist soweit: Im Juso-Raum trifft sich ein versprengtes H\u00e4uflein solcher Genossinnen und Genossen, die einen Initiativkreis zur Gr\u00fcndung eines Sozialdemokratischen Sch\u00fclerbundes (SSB) aufbauen wollen. Mit dabei unter Anleitung Uwe Kremers: Lutz Mertins, Sabine Br\u00fcnig, Silvia Oberlies, Michael Hafemann, Andreas Pscherer.<br \/>\nDie Initiativgruppe kommt erst allm\u00e4hlich in die Str\u00fcmpfe. Ab Mittwoch, dem 16. Mai trifft man sich regelm\u00e4\u00dfiger in jenem Club Junger Erwachsener &#8211; zuweilen auch w\u00f6chentlich.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nFreitag, 22. Juni<\/strong><br \/>\nAuf dem Juso-Plenum um 19.30 Uhr wird \u00fcber Grundsatzprogrammatik diskutiert. Das Godesberger Programm, das ich bereits zuvor einmal relativ begeistert gelesen hatte, wird den Hannoveraner &#8222;Thesen zur \u00d6konomie und Strategie&#8220; des Juso-Bundeskongresses von 1971 gegen\u00fcbergestellt. &#8222;Demokratischer Sozialismus&#8220;, &#8222;System\u00fcberwindende Reformen&#8220; und &#8222;Doppelstrategie&#8220; sind Begrifflichkeiten, die sich bei mir allm\u00e4hlich zu f\u00fcllen pflegen. Christoph Ehrenberg f\u00e4llt mir an jenem Abend erstmals auf, denn er war insbesondere \u00fcber die Hannoveraner Thesen recht informiert und hatte sich markante Aussagen &#8211; f\u00fcr mich recht beeindruckend &#8211; mit Rotstift unterstrichen.<br \/>\nIch beginne nun auch innere Sympathie mit der Juso-Kritik am aktuellen, sytemkonformen Parteikurs und vor allem an Godesberg zu bekommen, das sich wie ein dehnungsf\u00e4higes Etwas entpuppt, bei dem jeder etwas f\u00fcr sich entdecken kann. Eine eindeutige sozialistische Ausrichtung wird mir zusehends wichtiger.<br \/>\nNebenher gewinne ich erste oberfl\u00e4chliche Eindr\u00fccke \u00fcber die jusointerne Fraktionierung: BuVos gegen Stamokaps contra Antirevisionisten. Osnabr\u00fcck scheint nahe den Hannoveraner Antirevis zu sein, was mir zusehends sympathisch erscheint.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nFreitag, 5. Oktober<\/strong><br \/>\nAuf dem abendlichen Juso-Plenum im Haus der Jugend ist die DKP zu Gast, die mit keinen geringeren als Wolfgang Albers und Franz Giglewicz aufl\u00e4uft. Der neue Juso-Vorsitzende Axel Hoffmann leitet die Debatte mit den Worten ein, sich in einem Gespr\u00e4ch unter Marxisten zu befinden.<br \/>\nMan kennt sich bereits. Unter anderem war kurze Zeit zuvor gemeinsam mit der DKP ein Komitee gegen Berufsverbote (&#8222;Freiheit im Beruf &#8211; Demokratie im Betrieb&#8220;) gegr\u00fcndet worden, f\u00fcr das auch ich schon in der Gro\u00dfen Stra\u00dfe Info-Stand-Arbeit geleistet hatte.<br \/>\nWolfgang Albers erkl\u00e4rt, dass man immerhin die gleichen historischen Vorg\u00e4nger h\u00e4tte und immerhin zumindest bis 1917 zur gleichen Partei geh\u00f6rt h\u00e4tte. Wenn die damalige Parteispaltung nicht gewesen w\u00e4re, dann w\u00e4re man nat\u00fcrlich noch in einem Haufen. Faszinierend finde ich die Alberssche Nennung diverser Programme und Parteitage von irgendwelchen Orten, die mir erst allm\u00e4hlich zu Begriffen werden sollen.<br \/>\nErhebliche Differenzen entspinnen sich naturgem\u00e4\u00df bei der Einsch\u00e4tzung des &#8222;realen Sozialismus&#8220; und Fragen politischer Demokratie. Auch wenn der vormalige Juso Peter Kosiek augenscheinlich und demonstrativ die Fronten gewechselt hat, verfestigt sich bei mir an diesem Abend das Votum f\u00fcr den demokratischen Sozialismus.<\/p>\n<p><strong>Montag, 22. Oktober<\/strong><br \/>\nAuf Initiative von Axel Hoffmann kommt die mir damals noch unbekannte designierte neue Juso-Bundesvorsitzende Heidi Wieczorek-Zeul nach Osnabr\u00fcck, wo sie um 19.30 Uhr im Gro\u00dfen Saal im Haus der Jugend spricht.<br \/>\n<strong><br \/>\nFreitag, 16. November<\/strong><br \/>\nUm 15 Uhr treffen wir uns in einer AG, um einen Satzungsentwurf f\u00fcr unseren SSB (Sozialdemokratischer Sch\u00fclerbund) auszuarbeiten. Ich schreibe den Entwurf, nach dem es unter anderem unvereinbar mit der Mitgliedschaft sein soll, einer &#8222;gegen die Sozialdemokratie gerichteten Organisation&#8220; anzugeh\u00f6ren.<\/p>\n<h2><strong>1974<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Montag, 7. Januar<\/strong><br \/>\nPlenum SSB im HdJ um 18 Uhr. Das Springe-Treffen (ein inhaltsreiches Selbstverst\u00e4ndnis-Seminar) wird reflektiert: Es hat viel Lust f\u00fcr die Arbeit vor Ort geweckt.<br \/>\n<strong><br \/>\nFreitag, 11. Januar<\/strong><br \/>\n19.30 Uhr Juso-Plenum im Haus der Jugend.<br \/>\n<strong><br \/>\nMontag, 14. Januar<\/strong><br \/>\nUm 18 Uhr SSB-Plenum, zu dem im Notizbuch &#8222;18 Mann&#8220; vermerkt ist.<\/p>\n<p><strong>Montag, 21. Januar<\/strong><br \/>\nMal wieder SSB.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 23. Januar<\/strong><br \/>\nJuso-Vorstand, und ich verstehe allm\u00e4hlich schon besser, um was es geht.<br \/>\n<strong><br \/>\nMittwoch, 13. M\u00e4rz<\/strong><br \/>\nAbends um 20 Uhr trifft sich der Juso-Unterbezirk im Club junger Erwachsener\/HdJ mit der langsam an Bedeutung gewinnenden ASF, den SPD-Frauen. Erst etwa 15 Jahre sp\u00e4ter wird die Quote beschlossen, jetzt wird daf\u00fcr vorgearbeitet. Die Jusos sind dabei. Zwei Tage sp\u00e4ter ist Juso-Plenum am gleichen Ort. Thema u.a.: Vorbereitung auf den Unterbezirksparteitag am Samstag, 16. M\u00e4rz, wo die Jusos &#8211; unter anderem mit hochtheoretischen Wortbeitr\u00e4gen von Wolfgang Jordan &#8211; derbe auf die Nase fallen und auf eine Inflation von Unverst\u00e4ndnis und Aversion sto\u00dfen.<br \/>\n<strong><br \/>\nMontag, 1. April<\/strong><br \/>\nWie jeden Montag ist &#8211; diesmal schon um 17 Uhr &#8211; SSB-Plenum. Die \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge zum NSG (Nieders\u00e4chsisches Schulgesetz) werden verabschiedet, worauf ich den ganzen Ramsch stolz wie Hermann tippe und voller Erwartung der Landtagsfraktion zustelle. Auch wenn nicht einmal eine Reaktion folgt, bleibt das unvergessliche Gef\u00fchl, dass man phasenweise das Gef\u00fchl besitzt, etwas im gro\u00dfen Rahmen \u00e4ndern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nMittwoch, 17. April<\/strong><br \/>\nDer erste Schultag beginnt mit einer Sitzung im HdJ, die f\u00fcr mich mehr Lustgewinn besitzt: Die SSB-Schulgruppe Rats l\u00e4dt ihr gutes Dutzend Genossen ein. Wir sind mit Abstand die st\u00e4rkste Schulgruppe, W\u00fcste und GSG folgen mit Abstand.<br \/>\n<strong><br \/>\nMontag, 22. April<\/strong><br \/>\nIrgendwie wird es ein wenig schlaffer, obwohl sich der SSB nat\u00fcrlich wieder um 18 Uhr trifft. Mehrere SSBler treibt es am Freitag, 10.Mai, ins Haus der Jugend zu einer Veranstaltung zum NSG, die teilweise auf dem au\u00dferordentlichen SSB-Plenum am Dienstag, den 14. Mai um 17.30 Uhr reflektiert wird.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nMontag, 7. Oktober<\/strong><br \/>\nMit Wahnsinns-Erwartungen wollen wir um 16 Uhr eine Berufssch\u00fcler-AG des SSB gr\u00fcnden. Viele Briefe kursieren &#8211; doch nur die SDAJler Klaus-Peter K\u00f6nig und Peter Witte kommen. Ein erster Baustein zur Erkenntnis, dass briefliche Einladungen an Karteileichen offensichtlich nichts erwecken.<br \/>\nDoch die AG &#8222;Berufsschulen&#8220; konstituiert sich und bereitet eine sp\u00e4ter erfolgreich durchgezogene Fete in der FH vor.<\/p>\n<p>Etwas sp\u00e4ter ist es im Haus der Jugend voller, aber disputsreicher: Im Chile-Kommitee sehen sich viele wieder, die sich noch im Berufsverbote-Komitee verabschiedet hatten. Vorgemerkt habe ich mir weitere Treffen in Sachen Chile: Am 16. l\u00e4dt Velten Seifert ein zum Gespr\u00e4ch mit einem Pfarrer, der Chile besuchte. Ich besuche das allerdings nicht, das Chile-Komitee tags und am 25.10. darauf mutma\u00dflich schon eher &#8211; und das Juso-Plenum Freitagabend ganz bestimmt. Und ganz sicher bin ich dabei, als wir mit Deutschlehrer Helmut Sch\u00e4fer ab achte einen trinken gehen&#8230;<br \/>\n<strong><br \/>\nFreitag, 15. November<\/strong><br \/>\nJuso-Unterbezirkskonferenz im B\u00fcrgerbr\u00e4u am Blumenhaller Weg, welchselbige am 19.11.fortgesetzt wird, wo die Vorstandswahl stattfindet.<br \/>\nAuf jener legend\u00e4ren Juso-Unterbezirkskonferenz schl\u00e4gt mich Ulrich Haustermann f\u00fcr den Unterbezirksvorstand vor, und ich werde tats\u00e4chlich mit 17 Stimmen gew\u00e4hlt. Vier von sieben Vorst\u00e4ndlern sind Sch\u00fcler: Uwe Kremer, Lutz Mertins, Wolfgang Berning und Schulzes Heiko. Ich bin jetzt pl\u00f6tzlich was&#8230;<\/p>\n<p><strong>Freitag, 22. November<\/strong><br \/>\nIm Haus der Jugend zeigen wir Jusos \u2013 Gro\u00dfer Saal &#8211; mit bescheidener Resonanz den Film &#8222;Liebe Mutter, mir geht es gut&#8220;. Mir geht es danach auch gut. schlie\u00dflich habe ich zumindest im Film viele klassenk\u00e4mpferische Arbeiter gesehen. In meinem Alltag passiert das immer nur theoretisch.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 27. November<\/strong><br \/>\nJuso-Vorstandssitzung unter Leitung des neuen Vorsitzenden Christoph Ehrenberg. Mit uns Sch\u00fclern diskutieren Paul Middelbeck und Rosi Klatt (die bald nicht mehr). Vorbereitet wird u.a. die tags darauf mit guter Resonanz in der Uni durchgef\u00fchrte Veranstaltung mit portugiesischen Sozialisten. Portugal begeistert uns, die dortige PSP allerdings nur zu Anfang. Christoph Ehrenberg schreibt einen langen Artikel \u00fcber die Veranstaltung, den die NOZ dick abdruckt.<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 10. Dezember<\/strong><br \/>\nUm 19 Uhr bin ich dankbar f\u00fcr die turnusm\u00e4\u00dfige SSB-Sitzung. Schlie\u00dflich kann ich dabei die tags darauf angesetzte Bio-Arbeit f\u00fcr ein paar St\u00fcndchen vergessen.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 11. Dezember<\/strong><br \/>\nAuf der Juso-Vorstandssitzung wird der letzte Schliff an Vorbereitung f\u00fcr die am n\u00e4chsten Tag anstehende Veranstaltung mit Johano Strasser (Gro\u00dfer Saal) gelegt. Meine bei Steinbacher gedruckten Plakate &#8211; eines h\u00e4ngt sogar im Parteikasten im Neumarkttunnel &#8211; werden gelobt und tragen mit dazu bei, dass der Saal einigerma\u00dfen voll wird. Johano kommt nat\u00fcrlich weitaus besser an als JU-Brickwedde, der das Fehlen eines Juso-Wirtschaftsprogramms moniert, w\u00e4hrend Johano selbiges hochh\u00e4lt&#8230;<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 24. Dezember<\/strong><br \/>\nIch verlebe Heiligabend erstmals im Bewusstsein, ein Funktionstr\u00e4ger geworden zu sein: Juso-Vorstand, SSB-Vorstand, Rostra-Redaktion, AG Berufsschule, Mitarbeit in Juso-AG, Chile-Kommitee und anderen Ebenen der sozialistischen Bewegung. Ein Weihnachten mit gestiegenem Selbstwertgef\u00fchl \u2013 und das Haus der Jugend als fast schon 2. Heimat.<\/p>\n<p><strong>Die Folgejahre<\/strong><br \/>\nDas so in Stichworten \u00fcber meine ersten beiden Jahre im HdJ. Daraus ist rudiment\u00e4r folgendes zu entnehmen:<br \/>\nDas Haus wird zu einem der wichtigsten Treffpunkte der linken Szene, von Frauen- und B\u00fcrgerinitiativen, ab ca. 1975 auch der Jugendzentrumsbewegung. Zahllose Pl\u00e4ne zur Stadt-, Gesellschafts- und Weltver\u00e4nderung werden geboren &#8211; und bringen es oft nicht einmal bis zur n\u00e4chsten Schublade. Doch sch\u00f6n isses&#8230;<br \/>\nDass naturgem\u00e4\u00df auch Freizeit und Kultur auch f\u00fcr eingeschwei\u00dfte Linke eine Rolle spielen, versteht sich von selbst. Erinnerlich sind nicht nur Gitarren auf manchen Falken-Sitzungen, ein richtiger Renner sind auch f\u00fcr Jung-Revolution\u00e4re Ereignisse wie \u201eFolk Alternativ.<br \/>\nZuweilen bleiben so manche im Haus geborene Ideen aber auch Bausteine f\u00fcr die sp\u00e4tere Stadtentwicklung. Stichworte wie \u201eStadtteilzentren\u201c, \u201eFahrradfreundlichkeit\u201c, \u201eKommunale Umweltpolitik\u201c u.v.m. klingen schon in den verquasten R\u00e4umen des HdJ an.<\/p>\n<p><strong>1975&#8230; <\/strong><br \/>\n&#8230; ist es soweit, dass die Sozialistische Jugend Deutschlands &#8211; Die Falken gegr\u00fcndet werden: nat\u00fcrlich im HdJ, Kleiner Saal. Und im Club Junger Erwachsener entsteht f\u00fcr gute 2 Jahre ein kleines Falken-Zentrum, das irgendwann durch eine tonnenschwere Druckmaschine (von Anfang an kaputt) und einen eisernen Schreibtisch bereichert wird. Entsorgt werden im Hinterzimmer dereinst auch mehrere Kisten eines sogenannten \u201eCasino-Pils\u201c, das aufgrund einer Fehlkoordination schlecht geworden ist. Im HdJ wird au\u00dferdem eifrig unsere stadtweite Zeitung &#8222;Linksrum&#8220; produziert, die irgendwann aufgrund chronischer Geldprobleme \u2013 ein k\u00e4rglicher Teil Eigenverm\u00f6gen geht drauf &#8211; und ideologischer Zwistigkeiten eingeht.<\/p>\n<p><strong>1976&#8230; <\/strong><br \/>\n&#8230;wird mir allerdings vom damaligen Hausmeister aufgrund angeblich schlechten Verhaltens w\u00e4hrend meiner Geburtstagsfete im Haus der Schl\u00fcssel entnommen. Angeblich wurden Putzfrauen angep\u00f6belt, au\u00dferdem starb n\u00e4chtens der Hund eines Nachbarn. Neben dem Haus- entschwand mir somit mein bisheriger Zweit-Schl\u00fcssel. Schade! Das Schl\u00fcssel-Mitnahme-Verbot trifft kollektiv alle Falken. Per Schl\u00fcsselkarte darf ich allerdings \u2013 wie Genossinnen und Genossen- gn\u00e4dig weiter hinein, soweit Hausmeister Motzek dies uns genehmigt.<\/p>\n<p>Etwas neidisch gucken wir zuweilen auf den \u201eKlassenfeind\u201c von Junger Union bzw. Sch\u00fcler-Union neben uns. Die scheinen die besseren R\u00e4umlichkeiten besser nutzen zu d\u00fcrfen. Daf\u00fcr hat einer der unsrigen denen auch einmal ein wenig Senf unter die Klinke geschmiert&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weiteres<\/strong><br \/>\nDas war es schon- ein wenig fragmenthaft \u2013 mit den wesentlichen Erinnerungen an ganz fr\u00fche Zeiten einer fast vergangenen Linken. Dass im Laufe der Jahre \u2013 neben der Lagerhalle \u2013 auch die sogenannten neuen sozialen Bewegungen (Anti-AKW-Initiativen, Friedensbewegung) immer wieder Raum zur Entfaltung bekommen, entspricht der vorangehenden Tradition.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Das Haus betrat ich zwar schon in seltenen F\u00e4llen als filmbegeisterter Gucker der Jungen Filmgemeinde, eine 2. Heimat wurden mir gewisse R\u00e4umlichkeiten aber erst seit 1973. 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