{"id":44,"date":"2015-12-19T17:53:47","date_gmt":"2015-12-19T17:53:47","guid":{"rendered":"http:\/\/schulze.geest-verlag.de\/?p=44"},"modified":"2015-12-19T17:53:47","modified_gmt":"2015-12-19T17:53:47","slug":"verfassungsvaeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulze.geest-verlag.de\/?p=44","title":{"rendered":"Verfassungsv\u00e4ter"},"content":{"rendered":"<div><b><span style=\"font-size: xx-large;\">Otto Vesper und Hans Wunderlich<\/span><\/b><\/div>\n<div><\/div>\n<p>Frieden und Demokratie gelten als Bausteine einer intakten Gesellschaft. Osnabr\u00fcck, in dessen Mauern vor mehr als 350 Jahren entscheidend dazu beigetragen wurde, einen der l\u00e4ngsten und brutalsten Kriege der deutschen Geschichte zu beenden, konnte sich im Jahre 1998 mit Recht als Friedensstadt feiern lassen. Dieses Osnabr\u00fcck darf aber auch \u201eDemokratiestadt\u201c sein. Und zwar deshalb, weil mit Otto Vesper und Hans Wunderlich gleich zwei ihrer S\u00f6hne in beiden Republiken der deutschen Geschichte als \u201eVerfassungsv\u00e4ter\u201c dienten.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Beide \u201eM\u00e4nner der ersten Stunde\u201c einte nicht nur ihre &#8222;Verfassungsvaterschaft&#8220;. Obwohl sie zu unterschiedlichen\u00a0Zeitpunkten agierten,\u00a0gab es mindestens drei weitere Gemeinsamkeiten: Sie waren Sozialdemokraten, sie wirkten in Osnabr\u00fcck, und sie waren zum Zeitpunkt ihrer Mandate\u00a0journalistisch t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Otto Vesper (1875- 1923) war in den fr\u00fchen Jahrzehnten unseres Jahrhunderts eine dominierende Figur der Osnabr\u00fccker Arbeiterschaft. Von Beruf Tapezierer, als solcher lange Zeit Gesellenvertreter, sp\u00e4ter Gewerkschaftssekret\u00e4r, von der Parteispitze seinerzeit nach Osnabr\u00fcck entsandt, um den Parteiaufbau voranzutreiben. Aus dem Tapezierer und SPD-Funktion\u00e4r wurde schnell ein Chefredakteur. \u201eOsnabr\u00fccker Abendpost\u201c nannte sich die vorwiegend in der Arbeiterschaft vertriebene SPD-Tageszeitung, die nicht nur Nachrichten, sondern auch engagierte Kommentare ihres \u201eMachers\u201c abdruckte. Die Osnabr\u00fccker Variante der Novemberrevolution von 1918 ist untrennbar mit Vesper, der zeitweilig auch als Senator wirkte, verkn\u00fcpft. Deshalb war es fast eine logische Konsequenz, dass die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler ihn am 19. Januar 1919 in die verfassungsgebende Weimarer Nationalversammlung entsandten. Auf diese Weise wurde es ihm verg\u00f6nnt, sich aktiv an der Ausformulierung der ersten demokratischen Verfassung der deutschen Geschichte zu beteiligen und darin das freie Wahlrecht sowie die Meinungs-, Presse- und Koalitionsfreiheit zu verankern.\u00a0Dies waren Ziele, f\u00fcr die er jahrzehntelang f\u00fcr die SPD gestritten hatte. Otto Vesper wurde nach Konstituierung der Republik erster Direktor des im Sommer 1919 neuerrichteten Osnabr\u00fccker Arbeitsamts.<\/p>\n<p>Hans Wunderlich (1899-1977) zog es als Journalisten in der zweiten H\u00e4lfte der Weimarer Zeit nach Osnabr\u00fcck, wo er Redakteur der sozialdemokratischen Nach\u00adfolge\u00adzei\u00adtung der Osnabr\u00fccker Abendpost, der Freien Presse, wurde. Wunderlich und Vesper, der im Jahre 1923 sehr krank starb, sind sich deshalb wahrscheinlich niemals pers\u00f6nlich begegnet.<\/p>\n<p>Nach Nazizeit, Verfolgung und Krieg war wurde Wunderlich sofort im Rahmen des Parteiaufbaus aktiv, avancierte zum Chefredakteur der SPD-nahen Nordwestdeutschen Rundschau, wurde Mitglied des Osnabr\u00fccker Stadtrats und wurde vom 1. Nieders\u00e4chsischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gesandt. Dort geh\u00f6rte der Osnabr\u00fccker zu den 27(!) SPD-Abgeordneten. Er arbeitete im sehr bedeutenden Ausschuss f\u00fcr Grundsatzfragen und Grundrechte mit und verabschiedete am 8. Mai 1949 mit der gro\u00dfen Mehrheit des Gremiums das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das folglich auch mit seinem Namen unterzeichnet wurde.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Spuren der Osnabr\u00fccker Sozialdemokratie \u2013 man findet sie sogar in Verfassungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Otto Vesper und Hans Wunderlich Frieden und Demokratie gelten als Bausteine einer intakten Gesellschaft. 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